17.06.2018: Majdanek

An diesem Tag sind wir zu dem ehemaligen deutschen Konzentrationslager Majdanek gefahren. Dieser Eintrag wird sich nur damit befassen und nicht im geringsten lustig oder unterhaltend sein. Wer sich das nicht antun möchte, soll also bitte bis zum nächsten Eintrag warten.

On that day we drove to the former German concentration camp Majdanek. This entry will concern itself with nothing else and not be in the least funny or entertaining. So for people who don’t want to expose themselves to that, please wait for the next entry.

Außerdem werde ich versuchen zu vermeiden, eigene Texte zu verfassen. Stattdessen werde ich Texte, die wir im Lager fotografiert haben, für Euch abtippen.- Übrigens: In Majdanek wurden auch viele Menschen aus der Region interniert, weil das Gebiet für deutsche Siedler geräumt wurde.

Furthermore, I will try to avoid writing my own texts. Rather, I will type up texts for you which we photographed in the camp. – By the way: In Majdanek they detained also many people from the region, because the area was cleared for German settlers.

Wachhaus neben einem der Tore zum Lager, 1944. „Achtung! Lagergelände! Stehen bleiben! Fotografieren verboten! Es wird ohne Anruf scharf geschossen! Der Kommandant“

Sentry box next to one of the gates leading to the camp, 1944. „Attention! Camp compound! Remain where you are! No photography allowed! Transgressors will be shot without warning! The Commanding Officer“

Anja Rempa (1937), vertrieben aus ihrem Dorf Zawadka, zusammen mit ihrer Familie. Sie starb am 9. Dezember 1943 im Jan Bozy Krankenhaus in Lublin. Das Foto wurde aufgenommen, nachdem sie aus dem Lager entlassen worden war.

Anja Rempa (1937) displaced from the village of Zawadka together with her family. She died on December 9, 1943 in Jan Bozy Hospital in Lublin. The photo was taken after she was released from the camp.

Brief von der Leitung der Kreisverwaltung in Lublin an das Hilfskomitee, mit dem Verbot, die Vertriebenen, die aus Majdanek entlassen wurden, in ihre Dörfer zurück zu lassen. „Die mir übersandten Anträge auf Rückkehr der aus Majdanek in das Kreisgebiet Lublin-Land angesiedelten Polen gebe ich Ihnen beiliegend zurück mit der Bemerkung, dass eine Rückkehr nach dem Kreis Zamosc nicht gestattet ist. Ich beziehe mich dabei auf die am Montag [sic] den 30. August 1943 mit Ihnen gehabte persönliche Unterredung.“

Letter from the head of county administration in Lublin to Central Welfare Council prohibiting the displaced who were released from Majdanek to return to their home villages. „The petitions for return from Majdanek into the county Lublin region by resident Poles I hereby return to you with the remark that a return to the county Zamosc is not permitted. In that I refer to the conversation personally had with you on Monday [sic] August 30, 1943.“

Ein Bogen Briefmarken, die der Woche von Majdanek gedenken, 1945.

Sheet of postage stamps commemorating the Week of Majdanek, 1945.

„Tor zur Hölle“

„Gate to Hell“

Von dem polnischen Bildhauer und Architekten Wiktor Tolkien

By the Polish sculptor and architect Wiktor Tolkien

Ankunft im Lager: Wir kamen in Majdanek an. […] Die Lastwagen hielten oben am Berg. Von da konnten wir sehen, dass unter uns, in dem Netzwerk von Stacheldraht, Leute umhergingen. Sie schoben beladene Wägen und Karren auf schmalen Eisenschienen den Berg hoch.

Arrival at the camp: We arrived at Majdanek. […] The trucks stopped at the top of the hill. From there we could see that down below, among the networks of barbed wire, people were moving around. They were pushing loaded carts and cars uphill on narrow iron rails.

Mein erster Gedanke war: Leben hier wirklich Menschen? Und arbeiten? Das hieß, eine schwache Hoffnung könnte selbst hier am Tor von Majdanek aufflackern. Tore öffneten sich vor uns, und es gab eine Menge davon. Wir sahen so etwas wie schlammige Wege, die in verschiedene Richtungen führten.

My first thought was: Are there people alive here? Working? That meant some frail hope might flicker even at the gates of Majdanek. Gates began opening before us, and there were a lot of them. We saw something like muddy trails leading in various directions.

Jede Menge Stacheldraht trennte ein Feld vom anderen, spaltete die Welt in riesige rechteckige Kästen. Überall standen Baracken. Es waren keine Menschen zu sehen, und es schien, dass nur die Baracken hier gefangen waren. Sie trieben uns zur Eile, über gewundene, getarnte Wege. Alle paar Minuten öffnete sich eine kleine Stacheldrahttür und knallte dann hinter uns zu. […]

A multitude of barbed wire fences separated field from field, dividing the world into enormous rectangular boxes. Barracks stood everywhere. There were no people in sight and it seemed that only the barracks were imprisoned here. They began hurrying us along winding, camouflaged pathways. Every few minutes a small barbed wire door opened, and then slammed shut behind us. […]

Schließlich sahen wir einen riesigen freien Platz, und Tausende von verängstigten Menschen. Manche lagen da, und andere rannten verzweifelt von einer Stelle zur anderen. Wir marschierten im Takt zum Tor. Das Tor öffnete sich und sie schubsten uns in das Chaos; wir fanden uns in einem menschlichen Ameisenhügel wieder. Wir schauten uns an und verstanden sofort: Wir waren gefangen! – Mordechaj Sztrygler

We finally saw a vast bare ground, and thousands of terrified people. Some lay there and others ran in despair from one place to another. We marched in step to the gate. The gate opened and they shoved us into the chaos; we found ourselves in the human anthill. We looked at each other and understood instantly: We were trapped! – Mordechaj Sztrygler

Der Umkleideraum im Bad der Männer war auch der Ort, wo neue Häftlinge ihre Haare geschoren bekamen. Deutsche Konzentrationslager verkauften das Haar dann an Firmen, die es zu industriellen Filzfasern verarbeiteten. Die Meldungen, die noch erhalten sind, zeigen, dass die Verwaltung von Majdanek eine Gesamtmenge von 730kg Haar an die Färbegesellschaft Fort (Niederlausitz) geschickt hat.

The changing room in the male bath house was also the place where new prisoners had their hair cut off. German concentration camps then sold the hair to companies which processed it into industrial fibre felt. The reports which have been preserved show that the Majdanekk Administration sent a total of 730kg of hair to the Forst Dye Works Company (Niederlausitz).

Registrierung von neu angekommenen Häftlingen: Ein paar SS Männer, deren Ränge ich nicht kenne, kommen herüber und sie befehlen uns, in eine leere Baracke zu gehjen. Dort müssen wir uns schnell ausziehen und all unsere Wertgegenstände und Kleidung in den Armen halten. Das ist der Befehl. Wir stehen da nackt und warten. Die Doppeltore der scheunenartigen Baracke sind weit offen, und wir kriegen Gänsehaut. Das Verlesen der Transportliste beginnt endlich; die, deren Namen aufgerufen werden, gehen auf die andere Seite. Das Verlesen von siebenhundert Namen dauert lange. Die, die aufgerufen werden, lassen Kleidung und Proviant zurück, und niemand markiert diese Sachen mit einem Namen oder einer Nummer. […] Sie stellen einen Tisch auf, wo wir uns melden und Nummern kriegen, die auf Plaketten, die aus Blechdosen geschnitten wurden, gestempelt werden. […] Die Aufnahme, oder eher das Einsammeln von Dingen für das Depot, dauert wieder eine lange Zeit. Ich zittere am ganzen Körper. Endlich befehlen sie uns, in Gruppen von einhundert zu den Duschen zu gehen. Nackt und barfuß rennen wir über den gefrorenen Boden zu einem benachbarten Gebäude, ungefähr einhundert Meter weit weg. In dem kalten Waschraum sitzen mehrere Friseure, slowakische Juden, die uns die Haare von den Köpfen scheren, unsere Bärte, das Haar unter unseren Armen und überall auf unseren Körpern. – Jerzy Kwiatkowski

Reception of newly arrived prisoners: Along come several SS men whose ranks I cannot recognize, and they order us to enter an empty barracks. There we must undress quickly and hold all our valuables and clothing in our arms. That’s the order. We stand there naked and wait. The double gates of the stable-type barracks are wide open, and we get goose bumps. The reading of the transport list finally begins; those whose names are called cross to the other side. Reading out seven hundred names takes a long time. The ones called out leave behind their clothing and food supplies, which no one marks with a name or number. […] They set up a table where we register and obtain numbers stamped on tags cut from tin cans. […] Registration, or rather the taking of things on deposit, again lasts a long time. I am shivering all over my body. Finally they order us to go to the showers in groups of one hundred. Naked and barefoot we run across the frozen ground to an adjacent building about a hundred metes away. In the cold cloakroom sit several barbers, Slovakian Jews, who shave off the hair on our heads, our mustaches, the hair under our arms, and all over our bodies. – Jerzy Kwiatkowski

Duschen: Sie trieben uns raus in den Frost. Von vor der Effektenkammer rannten wir nackt und barfuß durch den beißenden Frost zu einer Baracke mit einem Schild „Bad“. Sie schnitten das restliche Haar auf unseren Köpfen mit stumpfen Scheren ab und drängten uns in einen dreckigen Raum, der mit leuchtend blauen Latten ausgelegt war. Von der Decke hingen etliche Dutzend Duschköpfe, und unter den Fenstern stand ein langer Tisch. Neben der Tür, durch die wir aus diesem „Wartezimmer“ eingetreten waren, stand eine riesige Betonwanne voller Wasser, das nach Karbolsäure stank. […]

Bathing: They herded us out into the frost. From in front of the Effektenkammer we rushed naked and barefoot through the biting frost to a barracks with a sign reading „Bad“ or bathhouse. They cut the remaining hair off our heads with dull clippers and pushed us into a filthy room covered with bright-blue wooden slats. From the ceiling hung several dozen showerheads and there was a long table under the windows. Next to the door we had entered from that „waiting room“ stood an enormouse concrete tub full of water reeking of carbolic acid. […]

Plötzlich spritzte eisiges Wasser aus den Duschen – die Leute schrieen, dass es kalt war. Ein paar Sekunden später rauschte kochendes Wasser in Dampfwolken aus den Duschköpfen. Wir wollten entkommen, aber man konnte nirgends hin, und die, die an den Rändern kauerten, wurden mit Stöcken und Peitschen unter die kochenden Duschen gejagt. Ein paar Sekunden später kam wieder ein Strom eisigen Wassers – unsere Dusche war vorbei. Aber sie zwangen uns, noch ein „Bad“ zu nehmen, dieses Mal in der Betonwanne voller Karbolsäure. Sie nannten das ironisch ein „Disinfektionsbad“ und nutzten ihre Stöcke um sicherzustellen, dass niemand darum herum kam. – Andrzej Stanislawski

Suddenly icy water spluttered from the showers – people screamed that it was cold. A few seconds later, boiling liquid gushed from the showerheads in clouds of steam. We wanted to escape, but there was nowhere to go, and those huddling at the edges were chased under the boiling shower with sticks and whips. A few seconds later came another stream of icy water – our shower was over. But they made us take an additional „bath“, this time in that concrete vat of carbolic adic. They referred to it ironically as a „disinfectant bath“ and used their sticks to make sure no one avoided it. – Andrzej Stanislawski

Dosen Zyklon B

Zyklon B cans

Der Umkleideraum war auch dafür ausgelegt, die Kleidung der Häftlinge zu desinfizieren, mit einer Chemikalie, die als Zyklon B bekannt war. Um dies auszulösen, wurde heiße Luft durch Rohre in der Wand in den Raum geleitet. Das Gas wurde durch Löcher in der Decke entlüftet. Die desinfizierte Kleidung wurde im nächsten Raum aufbewahrt.

The dressing room was also adapted to disinfect prisoner’s clothes, using a chemical known as Zyklon B. To activate this, heated air was forced inside via Pipes installed within the wall. The gas was ventilated through holes in the ceiling. The disinfected clothes were stored in the adjoining room.

Der Bunker mit den Gaskammern. In diesen Kammern wurden giftige Gase genutzt, um die Häftlinge zu ermorden.

The bunker with gas chambers. In these chambers poison gases were used to murder the prisoners.

Kohlenmonoxid wurde durch Metallrohre eingeleitet, die im sogenannten „SS Raum“ mit zwei Stahlzylindern verbunden waren. Durch ein vergittertes Fenster beobachteten SS-Männer den Vorgang.

Carbon monoxide was supplied through metal pipes connected with two steel cylinders installed in the so-called „SS room“. Through a barred window SS-men watched the extermination process.

In der kleineren Kammer wurden Häftlinge auch mit Zyklon B getötet, das durch eine Öffnung in der Decke geschüttet wurde.

In the smaller chamber prisoners were also killed with Zyklon B, which was poured through an opening in the ceiling.

Die meisten Opfer in den Gaskammern waren Juden (vor allem Frauen, Kinder und Alte). Bis spät in den Frühling 1943 wurden die Gaskammern auch genutzt, um kranke oder ausgemergelte Häftlinge anderer Nationalitäten zu ermorden.

Most of the gas chamber victims were Jews (mainly women, children and the elderly). Until the late spring of 1943, the gas chambers were also used to kill the sick or emaciated prisoners of other nationalities.

Die Ermordung von Häftlingen  in den Gaskammern von Majdanek dauerte von September 1942 bis September 1943.

The extermination of prisoners in the Majdanek gas chambers lasted from September 1942 to September 1943.

Bekanntmachung – Betr.: Todesstrafe für unbefugtes Verlassen der jüdischen Wohnbezirke. In der letzten Zeit ist durch Juden, die die ihnen zugewiesenen Wohnbezirke verlassen haben, in zahlreichen Fällen nachweislich das Fleckfieber verbreitet worden. Um die hierdurch der Bevölkerung drohende Gefahr abzuwenden, hat der Herr Generalgouverneur verordnet, dass in Zukunft ein Jude, der den ihm zugewiesenen Wohnbezirk unbefugt verlässt, mit dem Tode bestraft wird. […] Warschau, am 10. November 1941.

Notification – Re.: Death penalty for unauthorized leaving of the Jewish living districts. Of late, Jews who left the living districts that they had been assigned to, in numerous cases verifiably spread spotted fever. To avert the danger that thus threatens the general public, the Mister Governor-General decreed that in future a Jew who leaves the living district that he was assigned to without authorization, will be punished by death. […] Warsaw, November 10, 1941.

Chaim Hirszman (1912-1946). Er kam aus Janów Lubelski, wo er als Metallschmied arbeitete. Am 15. Oktober 1942 wurde er nach Belzec deportiert, zusammen mit Frau und Sohn. Im Juni 1943 gelang es ihm, von einem Transport der letzten jüdischen Häftlinge des Belzec Sonderkommandos zum Todeslager in Sobibór zu fliehen. Er versteckte sich und meldete sich dann freiwillig zur Volksarmee. Nach dem Krieg arbeitete er eine Weile lang für einen kommunistischen Sicherheitsapparat in Lublin. Am 16. März 1946, an dem Tag, an dem er begann, vor dem jüdischen historischen Komitee in Lublin über Belzec Zeugnis abzulegen, wurde er in seiner Wohnung von Mitgliedern der polnischen Verschwörer erschossen. Hirszmans Bericht wurde von seiner zweiten Frau, Pola, vervollständigt.

Chaim Hirszman (1912-1946). He came from Janów Lubelski, where he worked as a metalsmith. On October 15, 1942, he was deported to Belzec, along with his wife and son. In June 1943, he managed to escape from a transport carrying the last Jewish prisoners of Belzec Sonderkommando to the death camp in Sobibór. He went into hiding and then enlisted in the People’s Army. Following the war, he worked for some time for a communist security apparatus in Lublin. On March 16, 1946, on the day when he started giving his testimony on Belzec to the Jewish Historic Committee in Lublin, he was shot dead in his apartment by members of the Polish conspiracy. Hirszman’s accounts were completed by his second wife, Pola.

Das einzige erhalten gebliebene deutsche Dokument betreffend die Operation „Erntefest“. „Bei der am 3.11.1943 in Trawnicki stattfindenden Judenaussiedlung wurde ich von einer Jüdin durch einen Schlag ins Gesicht tätlich angegriffen und leicht verletzt. Da die Person Anstalten machte nochmals zum Schlage auszuholen, sah ich mich genötigt abzuwehren und schlug ihr mit dem Kolben meines Gewehres auf den Schädel, wobei der Kolben leicht beschädigt wurde. Der Schaden ist unerheblich (leichter Riss am Kolben) und beeinträchtigt die Feuerkraft und Sicherheit nicht im geringsten, was durch den Gebrauch im Anschluss an diesen Vorfall unter Beweis gestellt werden konnte.“

The only preserved German document concerning the course of operation „Erntefest“. „At the time of dislocating Jews on November 3, 1943 in Trawniki, I was attacked by a Jewess who struck me in the face and slightly injured me. As the person was about to deliver another blow, I felt compelled to defend myself and hit her onto the skull with the rifle butt, which resulted in a slight damage to the butt. The damage is minor (a faint scratch mark on the butt) and does not affect the rate of fire or reliability, as proved by good use immediately after the incident.“

Rollen zum Ebnen von Straßen. Sie wurden von Häftlingen gezogen. Es war eine der anstrengensten Arbeiten, die in Majdanek verrichtet wurden.

Rollers for levelling roads. They were pulled by prisoners. It was one of the most exhausting kinds of work done at Majdanek.

Das Krematorium hinter dem Häftlingsfeld V, gesehen vom Wachturm an der Ecke (1944 – 2015).

Crematorium behind prisoner field V seen from the corner watchtower (1944 – 2015).

Säule der drei Adler und Baracken in Häftlings-Feld III.

The Tree Eagles Column and barracks in prisoner Field III.

Am Fuß der Säule liegt ein Teil des Kapitells, das 1944 zerstört wurde.

At the base of the column, there is a fragment of its capital destroyed in 1944.

Die Säule der drei Adler, entworfen von Albin Maria Boniecki. Sie wurde im Frühjahr 1943 von polnischen politischen Häftlingen auf Befehl der Lagerleitung errichtet. Deutsche betrachteten sie als eine Dekoration von Feld III. Es war das erste Denkmal zu Ehren der Opfer von Majdanek, da etwas Asche aus dem Lagerkrematorium heimlich im Fuß der Säule platziert wurde.

The Column of Three Eagles, designed by Albin Maria Boniecki. It was erected by Polish political prisoners on the camp authorities‘ order in the spring of 1943. Germans conceived it as a decoration of Field III. It was the first monument to the victims of Majdanek, as some ashes from the camp crematorium were secretly placed inside the base.

„Schrein“ (Kunstinstallation)

„Shrine“ (artistic installation)

Neben der persönlichen Habe, die den Häftlingen bei ihrer Ankunft in Majdanek weggenommen wurde, wurden auch die Schuhe von Juden, die in anderen „Operation Reinhardt“ Todeslagern ermordet wurden, hier gelagert. Schuhe von Männern, Frauen und Kindern, die einst den Opfern gehört hatten, wurden nach versteckten Wertgegenständen durchsucht und sortiert. Kurz nach der Liquidierung des Konzentrationslagers in Majdanek waren fast 430.000 Paar Schuhe und einige Tausend Teile von Schuhen noch hier.

Apart from the personal property taken away from prisoners on their arrival at Majdanek, the shoes of Jews who were mass murdered in other „Operation Reinhardt“ death camps were also stored here. Men’s, women’s and children’s shoes that had once belonged to the victims were searched for hidden valuables and sorted. Shortly after the liquidation of the concentration camp at Majdanek, nearly 430.000 pairs of shoes and several thousand shoe parts were still there.

Abschnitt der Lagerstraße. Im Lager wurden über 4 Kilometer Straßen von den Häftlingen gebaut. Von den deutschen Besatzern mutwillig beschädigt, wurden Grabsteine von jüdischen Friedhöfen in Lublin für den Bau der Straßen genutzt, welche außerdem mit Ziegeln und Schutt von Häusern, die im Lublin Ghetto zerstört worden waren, beschichtet wurden.

Fragment of the camp road. In the camp over 4 kilometres of roads were built by prisoners. Vandalized by German occupiers, tombstones from Jewish cemeteries in Lublin were used to construct the roads, which were additionally surfaced with bricks and rubble from houses demolished in the Lublin ghetto.

Krematorium: Das Hauptkrematorium des Lagers in Majdanek war nahe den Krankenbaracken in Feld V gelegen. Es wurde von einer deutschen Firma H. Kori GmbH gebaut. Der untere Teil des Gebäudes war aus Ziegeln, während der obere Bereich aus Holz war.

Crematorium: The main crematorium of the camp at Majdanek was situated close to the hospital barracks in Field V. It was built by a German company H. Kori GmbH. The bottom part of the building was made of brick whilst the upper section was wooden.

Das Gebäude bestand aus 12 Räumen mit einer zentralen Halle, wo ein Set von 5 Brennöfen stand. Das Gebäude war von einem doppelten Stacheldrahtzaun umgeben. Das Krematorium begann seine Arbeit Ende 1943.

The building consisted of 12 rooms with a central hall where a set of five furnaces for burning corpses was located. The building was surrounded by a double barbed wire fence. The crematorium started operating in late 1943.

Am 22. Juli 1944, dem Tag der endgültigen Auflösung des Lagers, setzte die SS das Gebäude mit samt den Leichen  ihrer letzten Opfer in Brand. Der obere Teil des Gebäudes wurde 1945 nachgebaut, doch das Büro und die Tür, die die Haupthalle und die Öfen vom Rest des Gebäudes trennte, wurden nie wiederaufgebaut.

On July 22, 1944, the day of the camp’s final evacuation, the SS set the building on fire together with the corpses of their last vitims. The upper part of the crematorium was rebuilt in 1945, however, the office and door separating the central hall and furnaces from the rest of the building was never reconstructed.

Teil des Unterbaus eines LKWs, der 1943 genutzt wurde, um darauf tote Körper für das Verbrennen aufzuhäufen.

Part of the chassis from a lorry that was used as the base to pile up dead bodies ready for burning in 1943.

Am 3. November 1943 wurden 18.400 Juden – Häftlinge aus Majdanek und Arbeitslagern in Lublin – hier hingerichtet. Ungefähr 12.000 Juden wurden am 3. und 4. November 1943 während Operation „Erntefest“ von deutschen Polizeieinheiten in der Region Lublin, in Majdanek, Trawniki und Poniatowa, ermordet.

On November 3, 1943, 18.400 Jews – prisoners of Majdanek and labour camps in Lublin – were executed at this site. Approximately 12.000 Jews were murdered in the Lublin district on November 3 and 4, 1943 during operation „Erntefest“ (Harvest Festival) by German police units at Majdanek, Trawniki and Poniatowa.

Mausoleum: Das Mausoleum, das Monumenten-Tor am Eingang zum Museum und die Straße der Huldigung und Erinnerung, die beide verbindet, bilden zusammen das Denkmal dem Kampf und Märtyrertum in Majdanek.

Mausoleum: The Mausoleum, the Monument-Gate at the entrance to the museum and the Road of Homage and Remembrance that connects them create the Monument to Struggle and Martyrdom at Majdanek.

Entlang der Kuppel steht der Text „Unser Schicksal ist Euch eine Warnung,“ aus dem Gedicht Requiem von Franciszka Fenikowski.

Along the cupola runs text reading „Our fate is a warning to you,“ from Franciszka Fenikowski’s poem Requiem.

Das Mausoleum hält Asche von Häftlingen aus Majdanek. Als das Lager bestand, wurde die Asche, vermischt mit Kompost, genutzt, um Felder, die das Lublin Lager versorgten, zu düngen.

The Mausoleum holds ashes of Majdanek prisoners. At the time of the camp’s existence, the ashes, mixed with compost, were used to fertilize fields supplying the Lublin camp.  

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